Dienstag, 22. Januar 2019


Wir fahren auf einer grossen Fähre, die Griechenland mit Rom verbindet, aus den Ferien zurück. W. bleibt noch etwas in Griechenland, zusammen mit den Kindern. Auf der Fähre trifft die Nachricht ein, dass eine andere Fähre gesunken sei, mit über tausend Menschen an Bord, unter ihnen seien auch 360 Schweizer Soldaten, die auf dem Weg zu einem Auslandeinsatz in der Türkei waren. Alle sind tot. Auf dem Schiff herrschen Trauer und Entsetzen. Mir fällt ein, dass auch ein Freund meiner Tochter eben auch für diesen Dienst einberufen worden war. Ich würde gerne die Familie benachrichtigen, sie werden das alles sicher erst in einigen Tagen erfahren. Die Fähre erreicht den Hafen und fährt mit geöffneter Ladefläche mit erstaunlich hoher Geschwindigkeit durch ein enges Hafenportal. Ich habe kein Gepäck, sollte aber immerhin den Pass bei mir haben. Ich suche aufgeregt diesen Pass und finde ihn in der Hosentasche, an Land werde ich nun kommen, aber wie kann ich jetzt telefonieren.


Als wir erwachten, erholten wir uns lange nicht von diesem Schreck und glaubten, dass wirklich etwas passiert sei, vielleicht auch mit der Familie. Wir wären nicht erstaunt gewesen, wenn jetzt das Telefon geklingelt hätte mit einer bösen Nachricht, aber es klingelte nicht. Wir gingen ins Wohnzimmer und schauten uns alle fünfzig Sender an, aber auch dort war nichts Auffälliges zu sehen. Wir gingen wieder zu Bett, konnten aber nicht einschlafen und entwarfen noch eine Erklärung des Bundesrates für den Fall, dass 360 Soldaten bei einem Fährenunglück im Mittelmeer ums Leben kommen würden.

Samstag, 12. Januar 2019


In einem Buch, das ich gewiss seit vierzig Jahren nicht mehr geöffnet habe, finde ich Briefmarken und Banknoten, unter anderem eine Tausendernote. Hochbeglückt begrüsse ich diese Verbesserung meiner Finanzen, muss dann aber sehen, dass es sich um ausländisches Geld handelt, um praktisch wertlose Überbleibsel von Reisen. Und die Briefmarken sind zwar, wie alle alten Briefmarken, ehrwürdig und schön, aber auch von sehr kleinem Wert.

Donnerstag, 10. Januar 2019


Ich nehme an einem Marathonlauf teil und halte mich sehr gut, laufe nur etwa 100 Meter hinter den Spitzenläufern. Die Strecke führt zum Teil über Waldwege, auf denen es nasse Stellen gibt, richtige Tümpel, bei denen die Läufer bis zu den Knöcheln im Schlamm versinken. Es ist nicht zu sehen, was geschieht, wenn hier der Rest der vielen Teilnehmer durchkommt und wir zum zweiten oder dritten Mal hier diese Stelle passieren. Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich, als unsere Spitze auf ein zweites grosses Teilnehmerfeld mit langsamen Läufern trifft, die auf der gleichen Strecke unterwegs sind und sich nun mit uns vermischen. Dann, nach 22 Kilometern, so erklären unsere weltbesten Läufer, soll eine Pause gemacht werden. Alle halten an und nehmen ein Sandwich aus dem mitgeführten Rucksack. Auch ich habe einen Rucksack mitgeführt, er wiegt 5,1 Kilogramm. Nötig wäre das nicht gewesen, denn wir kommen in einen Raum, der bis an die Decke mit dicken Sandwiches angefüllt ist, die aus grossen Broten gemacht worden sind. Keiner der vielen Läufer nimmt eines, alle haben ihre eigene Verpflegung. Was wird wohl am Schluss der Veranstaltung mit diesen vielen Broten geschehen?

Dienstag, 1. Januar 2019


Wir erinnern uns plötzlich daran, dass wir ja vor einem halben Jahr in den Gemeinderat von N. gewählt worden sind, aber sonderbarerweise noch nie Unterlagen oder eine Einladung zu einer Sitzung erhalten haben. Hat man uns ganz vergessen oder will man uns nicht im Gemeinderat haben, weil wir ja nicht mehr in N. wohnhaft sind? Wir entschliessen uns, der Gemeindeverwaltung anzurufen und uns zu erkundigen. Zuerst aber suchen wir noch in unseren Papieren, die sich wie immer in einer gewissen Unordnung befinden. Wir finden die Wahlresulate, und sehen, dass wir gewählt worden sind. Unsere Partei besass drei Sitze im Gemeinderat, und alle Bisherigen hatten wieder kandidiert. Wir hatten daher niemals damit gerechnet, gewählt zu werden, und eine Anfrage der Partei, die noch einige Personen brauchte, um die Liste aufzufüllen, positiv beantwortet. Dass ein nicht mehr in der Gemeinde wohnhafter Bürger kandidieren kann, war möglich, aber auf jeden Fall ganz unüblich. Jetzt aber sind wir gewählt worden, befinden uns auf der Liste der Partei auf dem zweiten Platz, mit grossem Abstand auf die zwei anderen Bisherigen. Wie ist das zu erklären? Haben wir noch immer einen so guten Namen? Aber jetzt finden wir auch eine Mitteilung der Verwaltung, die nach dem Wahlsonntag erschienen war. Es heisst dort, wir hätten auf die Annahme der Wahl verzichtet. Das haben wir offensichtlich gemacht, aber sogleich vergessen. Jetzt sind wir froh, dass die Angelegenheit geregelt worden ist, haben aber doch ein schlechtes Gewissen gegenüber den vielen Wählern, die uns die Stimme gegeben und uns den beiden anderen Kandidaten vorgezogen haben.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Dann stehen wir an der Kasse der Männlichenbahn in Grindelwald und hätten gerne eine Halbtageskarte, aber zum halben Preis. Wir haben nämlich eine Anzahl von Billetts für Einzelfahrten in der Tasche, die noch für einen Weg gültig sind, und wir möchten diese eintauschen. Ein kleines Tubeli bedient uns, ein Kind mit einem Wasserkopf, aber dieses Idiötchen merkt sofort, dass wir etwas ganz Unmögliches verlangen und weist wortlos energisch auf die vorbereiteten Halbtageskarten hin, die 55 Franken kosten.

Freitag, 28. Dezember 2018


Anthea hat sich verletzt, an der Hand, ziemlich dumm, schwungvoll ging sie durch die Gänge und schlug gegen einen dieser harten eckigen Schränke. Die Hand musste operiert werden, jetzt ist sie zurückgescheucht und in entsprechender Verlegenheit, wir besuchen sie in ihrer Wohnung, natürlich nicht allein, sondern mit Arbeitskollegen. Dort verletzen wir uns aber, und zwar an einem Kaktus. Ein langer Stachel steckt in unserem Fuss, zwischen den Zehen. Wir ziehen ihn sofort heraus, es entsteht aber eine grössere Wunde und wir müssen elendiglich hinken. Anthea ist entsetzt, uns so zu sehen, gleichzeitig aber auch entzückt, dass wir das gleiche Schicksal haben. Sie umarmt uns stürmisch, ganz unwillkürlich, ganz gegen ihre übliche äusserst zurückhaltende Art. Jetzt haben wir etwas Gemeinsames, sagt sie und lacht ihr Lachen der edlen hohen Frau.

Samstag, 22. Dezember 2018


Ich befinde mich mit zwei Frauen in einem Raum, die eine ist mir nicht bekannt, die andere ist die kühle, undurchschaubare und stets geschäftsmässige Hathor, mit welcher mir bisher eine nähere Verbindung immer ganz undenkbar erschien. Es ist eine undefinierbare Situation. Die Frauen sind offenbar Freundinnen, ich eine Art geduldeter Dritter. Wir befinden uns in einem Zimmer, einer Mischung zwischen Büro, Wohnung, Hotel. Die Frauen haben eine Aufgabe, müssen etwas einrichten, Möbel verstellen, ein Bett beziehen. Jetzt kann es losgehen, sagt plötzlich die Frau, die wir nicht näher kennen, und zieht den Pullover und den Büstenhalter aus. Ihre schönen Brüste erregen mich sofort. Jetzt bekommst du, was du willst, sagt sie. Widerstrebend und irgendwie schicksalsergeben zieht sich nun auch Hathor aus. Wenn es sein muss, scheint sie zu denken, muss es eben sein.