Samstag, 30. Dezember 2017


In der Neuen Zürcher Zeitung sehen wir zu unserer Bestürzung unsere Todesanzeige, und zwar recht gross und gleichlautend gleich vier Mal abgedruckt, je zwei auf einer Seite. Irgendetwas ist ganz dumm gelaufen, eine Bestellung, die wir an einem ganz anderen Ort aufgegeben haben, hat offenbar zu verschiedenen Missverständnissen geführt und diese völlig unverständlichen Resultate gebracht. Wir sind ratlos, wollen die Zeitung anrufen und machen uns insbesondere Sorgen wegen den Kosten. Wer hat hier Fehler gemacht, wer wird die Kosten, die recht hoch sein dürften, übernehmen. Eine Entschädigung oder Genugtuung werden wir nicht verlangen, denn die Todesanzeige ist uns in keiner Weise lästig, da uns ja niemand kennt.

Montag, 11. Dezember 2017


Wir sind im Ausland, irgendwo unterwegs. Gleich drei Zähne fallen mir aus, obere Schneidezähne. Zuerst scheint nur ein Zahn betroffen. Er hat sich verschoben und sitzt nur noch ganz locker im Kiefer. Dann aber zeigt sich, dass auch zwei weitere Zähne jeden Moment herausfallen können und nicht mehr zu retten sind. Was ist zu machen? Wie werden wir zurechtkommen, wie aussehen ohne diese Zähne? Wir fragen uns, ob wir sie noch ersetzen sollten. Lohnt sich das in unserem fortgeschrittenen Alter noch?

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Dann wird Eile mit Weile gespielt, ich habe Pech, alle sind schon mit ihren letzten Toggeli unterwegs, ich aber bin noch oder wieder mit allen zu Hause. Ich komme nicht hinaus, weil mein Würfel nie eine Fünf zeigt. Weil meine Lage so hoffnungslos ist, erlaubt man mir, mit mehreren Würfeln zu spielen, ich nehme also eine ganze Handvoll Würfel und habe sofort zwei Fünfer und mit dem zweiten Wurf sogar deren vier. Es entsteht eine riesige Bank, an der niemand vorbeikommt, und ich habe nun auch wieder Chancen, die anderen einzuholen, weil ich ja ungestört und schnell alle meine Toggeli über die Strecke führen kann. Allerdings muss nun gut auf die Bank aufgepasst werden, damit die Rangfolge der dort festsitzenden Toggeli nicht durcheinander gerät.

Sonntag, 3. Dezember 2017


Grosse Stadt am Meer, an gebirgiger Küste. Ein mächtiger Fluss stürzt sich, aus grossen Höhen kommend, über gewaltige Wasserfälle ins Meer. Die Wassermassen werden von Sportlern sehr geschätzt. Kanuten und Surfer sind zu sehen, sie setzen sich aber grossen Gefahren aus. Einige Surfer werden mit ihren schweren Brettern hoch in die Lüfte geworfen und fallen dann nicht ins Wasser zurück, sondern stürzen auf das Ufer und die zahlreichen Zuschauer hinab. Auch wir geraten in Gefahr und müssen uns rasch in Sicherheit bringen.

Sonntag, 26. November 2017


Wir sind, wir wissen nicht wieso, auf einem verslumten Gelände an einem verschmutzten Strand, gehen lange und komplizierte Wege, irgendwo ist eine Konferenz im Gang, Diplomaten und Journalisten ziehen vorbei, zu Fuss, wir sehen aber auch eine Staatskarosse, ein gepanzertes Luxusmodell, mit grossen hellblauen Heckflügeln und weissen Reifen, blitzend und aufgedonnert wie ein Cadillac aus den fünfziger Jahren. Darin soll Blocher sitzen. wir gehen weiter unsere Wege und würden gerne in zivilisiertere Gegenden gelangen, werden aber am Ende noch bedroht, werden in einen Schuppen gedrängt und dort eingesperrt. Die Holztüre, die schlecht schliesst und leicht aufgedrückt werden könnte, wird von einem boshaften und groben Schergen von aussen mit einer Kette verschlossen. Wir sitzen fest, unter alten Schulbänken und Schreibpulten, aus denen zwei junge Irre hervorkriechen, fast noch Kinder, aber doch schon gross und kräftig, für uns jedenfalls eine Bedrohung. Sie nähern sich uns, höchst interessiert, wie Tiere, der kleinere der beiden Idioten beginnt, an unseren Augenbrauen zu zupfen und ist davon nicht mehr abzubringen. Er sagt zum Grossen, wir seien „der Bruder der Hure“, und dieser sagt, in seltsamem Ton, wir seien „etwas langweilig“. Es scheint, dass man ihnen hie und da ein Opfer in ihren Schuppen sperrt, zu ihrem Zeitvertreib, und es scheint, als ob dieser Zeitvertreib für uns nicht sehr angenehm werden könnte. Wir müssen uns auf jeden Fall sehr vorsichtig verhalten und dürfen die beiden nicht provozieren, lassen es daher zu, dass unsere Augenbrauen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Montag, 20. November 2017

Wir sind im Restaurant „Biebel“, das sich am Abend plötzlich in ein bekanntes Lokal verwandelt, in dem einsame Herzen professionell auf Partnersuche gehen können. Ein Animator diktiert den Ablauf und erfüllt seine Aufgabe ganz geschickt, es bleibt keine und keiner allein, und jede und jeder erhält viele Möglichkeiten, sein Glück zu finden. Wir werden zunächst an Einzeltische gesetzt, es gibt Damenwahl, und wir werden sofort geholt, unter dem Beifall der Teilehmenden eröffnen wir sogar den Tanz, mit einer leidlich jungen und leidlich hübschen Frau. Sogar das Tanzen geht, wir können tanzen, die Partnerin ganz gut führen, es schmeichelt uns, dass sie sich für uns interessiert hat. Sie duzt uns sogar. Wir fragen nach ihrem Namen. Nein, den Namen sage sie noch nicht, den Namen müssen wir offenbar erst verdienen, müssen sich näher für sie interessieren. Wie alt sie sei, fragen wir ganz ohne Scheu, es ist offenbar an einem solchen Abend keine dumme Frage. Vielleicht so alt wie du, sagt sie, und lächelt. Das schmeichelt uns wieder ganz ausserordentlich, denn sie ist gewiss etwas über dreissig, wir aber haben unser wirkliches Alter, neunundfünfzig. Wir denken, dass wir uns am späteren Abend wieder sehen könnten und vielleicht auch etwas zwischen uns passieren könnte, wenn sich bei ihr und bei mir nicht noch attraktivere und interessantere Begegnungen ergeben. Die Paare dürfen nicht zusammen bleiben, es gibt Betrieb, wir werden neuen Frauen zugelost, das gefällt uns, wir finden mit Leichtigkeit Kontakt. Es gibt allerlei Gesellschaftsspiele, bei welchen man sich kennenlernen kann. Einmal müssen wir eine Frau suchen, die denselben metallenen Anhänger trägt, den man uns verteilt hat. Wir finden eine ältere Dame, gewiss in unserem Alter, ziemlich aufgedonnert, mit mächtigem Busen und eng anliegendem Kleid, das kitschig silbrig glitzert. Sie erregt uns ein bisschen, sie ist uns interessant, wir machen nicht ungern diese Bekanntschaft, wer weiss, was da alles möglich ist.

Mittwoch, 15. November 2017


Und wieder sind wir in Amerika, machen mit der Familie Ferien in einer Feriensiedlung an einem grossen See. Ich bin alleine und sehe von einem kleinen Vorsprung aus, wie sich weit draussen im See eine rabenschwarze fast senkrechte Wolkenwand bewegt. Einer der Angestellten ruft entsetzt, so etwas habe er noch nie gesehen. Die schwarze Wand bewegt sich weiter, und an ihrem Fuss blitzt es gewaltig. Es scheint dort Explosionen zu geben. Da die Lage für uns sehr gefährlich werden kann, mache ich mich auf die Suche nach den Töchtern. Ich steige daher wie fast wie ein Extrem-Bergsteiger die senkrechte Felswand hinauf, oberhalb derer sich das Restaurant befindet. Die ältere der beiden Töchter ist dort, sie erscheint oben an der Brüstung und ruft, dass sich ihre Schwester im Sanitätsraum befinde. Das ist immerhin schon mal beruhigend, denn so wissen wir wenigstens, wo sie ist. Aber warum ist sie denn im Sanitätsraum, rufe ich und klettere wieder hinunter, denn dieser Raum befindet sich in einem anderen Gebäude unterhalb des Restaurants. Sie sei dort, weil die Mutter sie geschlagen habe. Was? Wie? Die Mutter? Ich könne mir das nicht vorstellen, rufe ich. Doch, die Mutti habe sie geschlagen, sagt die Tochter. Also die alte Mutti! Jetzt kann ich die Sache besser verstehen, die Mutti, das ist die Grossmutter, die vielleicht für einmal die sonst immer grosse Geduld verloren hat. Sie habe ihr einen Tritt versetzt, höre ich noch, es gehe der Kleinen aber gut, sie sei nicht verletzt und müsse jetzt noch einige Stunden im Sanitätsraum bleiben. Die Mutti bedaure alles sehr. Das beruhigt mich alles einigermassen, und das gewaltige Unwetter, das auf uns zukommt, wird uns in den Häusern nichts anhaben können.