Montag, 20. März 2017

Unruhen in der Stadt. Es sind aber auch grosse Polizeikräfte im Einsatz, die vermutlich mit Leichtigkeit mit den Demonstranten fertig werden. Wir überqueren einen grossen Platz mit Parkanlagen, in welchem Gitter aufgestellt worden sind. Sie bilden grössere und kleinere Kompartimente, die für die Aufnahme von festgenommenen Demonstranten bestimmt sind. Diese werden nun, wie dem Lärm zu entnehmen ist, der zu uns dringt, in den Strassen der Stadt zusammengetrieben und gegen die vorbereiteten Auffanganlagen gedrängt. Wir entfernen uns, ohne uns weiter um das Geschehen zu kümmern, die Polizisten im Kampfmontur lassen uns passieren, als unschuldigen und braven Menschen und somit als eine erfreuliche Erscheinung.   

Freitag, 3. März 2017


Wir sind mit hohen Herren in einer Kirche, in einer von diesen grossen schönen katholischen Kirchen in der Ostschweiz. Es ist Mittag, es steht ein Essen bevor, mit geladenen Gästen, und um 14 Uhr soll es dann einen feierlichen Gottesdienst geben. Einer der Herren, es ist der Vizepräsident des Nationalrates, eröffnet mir so nebenbei, dass ich für die Predigt vorgesehen sei. Ich akzeptiere diesen Auftrag selbstverständlich, so wie ich ja immer alle Aufträge akzeptiere, auch wenn ich sehe, dass ich keine Vorbereitungszeit mehr habe. Ich muss selber am Essen teilnehmen und werde mir höchstens während des Essens ein paar Überlegungen machen können, wahrscheinlich nicht einmal Notizen. Ich habe keine Ahnung, wie das herauskommen wird, habe aber auch keine grosse Angst. Es wird schon gut gehen! Es fällt einem ja immer etwas ein! Und es kommt im übrigen ja gar nicht so darauf an, was ich sage. Ich finde gerade noch Zeit, die Kanzel zu inspizieren, ich gehe hinauf und sehe, dass es dort sehr eng ist. Es gibt einen Tisch und einen alten Ledersessel, der am Boden festgeschraubt ist. Er ist so plaziert, dass man auf der Kanzel gar nicht stehen kann, sondern nur sitzen, und erst noch auf eine sehr bequeme Art. Von einem solchen Sessel aus wird man auch problemlos eine Predigt halten können, die ankommt. Jetzt ruft man mir von unten, der Hausmeister und der Sicherheitsverantwortliche sind erbost, dass ich es gewagt habe, die Kanzel zu besteigen. Ich entgegne, dass ich die Kanzel inspizieren müsse, weil ich ja die Predigt halten würde. Man knurrt und erlaubt mir widerstrebend den Besuch. Als ich erwache, beschäftige ich mich in halbwachen Zustand noch längere Zeit mit dem Traum. Ich versuche, eine Predigt zu entwerfen und gerate dabei zu verschiedenen Witzen und eleganten Bonmots und frage mich, ob es wohl zulässig wäre, sie in die Predigt einzubauen und die Zuhörer zum Lachen zu bringen.

Montag, 27. Februar 2017

«Abgabe»-Traum. Es ist mein letzter Arbeitstag. Ich muss leider feststellen, dass ich vergessen habe, viele persönliche Sachen rechtzeitig nach Hause zu nehmen. Jetzt bin ich völlig hilflos, ich habe nämlich nur mein Velo und eine grosse Einkaufstasche, was überhaupt nicht ausreicht für viele Bücher, Zimmerpflanzen, Bilder und auch Kleidungsstücke. Ein Auto wäre nötig, und sogar mehrere Fahrten. Ein Gefährt hätte ich zwar, einen alten, rostigen Peugeot 404, der mit einem Motorschaden in einer nahen Garage steht. Man lacht, als ich vorbeikomme und verspottet mich. Eine Gruppe von Jugendlichen steht herum, Andelfinger seien sie, ob ich eine Mandel haben wolle. Sie bieten mir eine an. Mit dem Velo steht mir nun noch eine längere Heimreise bevor, durch eine kalte Winternacht, für die ich keine warmen Kleider habe. Sicher ist, dass ich jetzt, nach meiner Pensionierung, noch mehrmals vorbeikommen muss, am besten wohl mit einem Mietauto. Ich sehe jetzt plötzlich noch viele Dinge, an die ich gar nicht gedacht habe. Auch in meinem Eingangsfach liegt noch viel Post. Ich fülle nun wenigstens den Einkaufskorb und gehe mit ihm hinaus, durch ein weitläufiges schönes Bürogebäude, es sieht aus wie das Hauptgebäude der Universität Zürich. In einem der Gänge sehe ich Bundesrat Leuenberger vorbeieilen.

Dienstag, 21. Februar 2017


Wir haben uns verstiegen, wir wissen nicht wie, wir stehen plötzlich ganz oben, auf der Spitze eines aus hohen, rechteckigen Elementen zusammengesetzten Bauwerks, einer Art überdimensionierter Bücherwand. Die Elemente sind aus poliertem Holz und bestehen aus schmalen Rahmen von etwa drei Metern Breite und fünf Metern Höhe. Wir klammern uns an das oberste Element, gewiss vierzig Meter über dem Boden, und würden gerne irgenwie hinuntersteigen. Aber das geht auf keine Weise. Die einzelnen Elemente stehen unverbunden neben- und aufeinander und könnten wie ein Kartenhaus zusammenfallen. Jede Bewegung bringt die Sache ins Schwanken. Wir prüfen den Abstieg über schräge Balken, die wie bei einem Wolkenkratzer wohl zu dekorativen Zwecken die einzelnen Stufen verbinden, das oberste Rechteck mit der unteren Stufe, die aus drei Rechtecken besteht, und diese Stufe mit einem Stockwerk aus fünf Elementen. Aber diese schrägen Balken sind poliert und viel zu steil, um auf ihnen hinunterzurutschen. Es bleibt uns nichts übrig als zu warten und auf eine Rettung aus der Luft zu hoffen, ein Helikopter müsste kommen, denken wir, aber er kommt nicht. Oder könnten wir, denken wir, uns bei einem Zusammenbruch des Ganzen so geschickt mit den Balken fallen lassen, dass wir heil am Boden landen würden?

Samstag, 18. Februar 2017


Ich bin Informatiker. Unsere Firma ist aber in gewissen Fällen auf andere Firmen angewiesen. Heute ist keine richtige Firma da, sondern nur  Bekannte von uns, die verschiedene neue Kabel installieren. Ein Kabel reisst aber, und es kommt zu einem Wasserleitungsbruch, der nicht mehr behoben werden kann. Das Wasser fliesst auch in unsere Wohnung und überschwemmt den Hauseingang und den Garten eines anderen Wohnhauses. Die Nachbarn stehen vor dem Gebäude und regen sich auf. Unsere Versuche, das Wasser abzustellen, scheitern kläglich. Am Ende kann ich eine Leitung so verknoten, dass es wenigstens nur noch tropft. Aber an Arbeiten kann natürlich nicht mehr gedacht werden. Junge Leute von einer angesehenen Firma, die sehr teuer ist, laufen vorbei, sie sind gerade am Joggen, dynamisch, sehr kompetent, sehr tüchtig. Sie stehen still und betrachten hämisch grinsend den Schaden. So kommt es, sagen sie, wenn man alles selber machen will. Ja, sagen wir entmutigt, es wird wohl bald einen Auftrag für Sie geben.

Sonntag, 12. Februar 2017


Ich stehe mit vier anderen Menschen auf einem etwa zehn Meter hohen Felsen, einer Säule, die frei im Raum steht. Oben gibt es eine kleine Plattform, auf welcher wir nur stehend Platz finden. Es ist nicht zu sehen, wie wir hier hinaufgelangt sind und schon gar nicht, wie wir hier wieder hinunterkommen könnten. Wir haben aber eine Trainerin bei uns, eine Art Schamanin, die uns einen Weg zeigt, wie wir uns befreien können. Man muss sich nur krümmen und rückwärts in die Tiefe fallen lassen und sodann noch einen Salto machen, dann landet man sicher auf dem Boden. Man muss nur an die Kräfte glauben, die bei diesem Sprung wirken. Einem meiner Leidensgenossen gelingt tatsächlich ein solcher Sprung. Mir aber fehlt dieser Glaube, und ich suche vergeblich noch nach einer anderen Lösung. Sollen wir einfach springen, und hoffen, dass uns dabei Kräfte behüten und beschützen, die wir nicht kennen und an die wir nicht glauben?

Donnerstag, 19. Januar 2017

Wir sind unterwegs, in der Stadt, in der wir aufgewachsen sind. Wir tragen unsere blaue Daunenjacke, die wir gerne haben und uns immer so gut gegen die Kälte schützt. An der Stadthausstrasse kommen wir zu einem bekannten Glaceverkaufsladen. Wir öffnen die schmale Türe und treten in das kleine Geschäft. Es ist leer, wir sehen nur eine Küche, die sauber aufgeräumt ist und nicht benutzt wird. Wir wollen schon wieder gehen, enttäuscht darüber, dass es keine Glace gibt und wir auch die junge Verkäuferin nicht sehen. Wir gingen hier nämlich früher vorbei und sahen eine grosse Schönheit. Wir wollen schon wieder hinausgehen, da öffnet sich eine Tür, es ist die grosse Schönheit, die hier offenbar in einem kleinen Nebenraum wohnt. Es ist hier gewiss nicht sehr bequem und offenbar auch nicht gut geheizt, denn sie trägt eine grosse blaue Daunenjacke, genau die gleiche, die auch uns einhüllt. Was wir wollten, fragt sie ganz freundlich. Wir hätten nur gerne eine Glace gekauft, sagen wir. Das Geschäft sei geschlossen, sagt sie, es sei eben nur während der Ferienzeit geöffnet. Das sei sehr schade, sagen wir, und wollen schon wieder gehen. Wir zögern einen Augenblick, überwinden unsere gewaltigen Hemmungen und ergreifen die Gelegenheit, um zu versuchen, mit dem dunkelhaarigen Engel ins Gespräch zu kommen. Sie habe aber eine schöne Jacke, sagen wir ihr, auf die Gefahr hin, lächerlich zu erscheinen und hinausgewiesen zu werden, und fügen sogar noch hinzu, dass wir ja vielleicht einiges gemeinsam haben könnten, wenn wir doch die gleiche Jacke tragen würden. Sie lächelt ganz wunderbar, ist guter Laune und zugänglich. Wir fassen noch mehr Mut und fragen sie, ob sich nicht etwas hinauskommen und mit uns spazieren wolle. Ja, sagt sie, gerne, und kommt sogleich mit. Ich kann mein Glück kaum fassen, gehe nahe eben ihr, wir berühren uns leicht, ich umfasse sie mit der rechten Arm, wir plaudern ganz munter und problemlos, ein leichtes süsses Gespräch. Es bahnt sich etwas an, etwas ganz Erstaunliches, denken wir, sehr Seltenes, sehr Ungewöhnliches, ein vollkommenes Verständnis aller Dinge des Lebens.