Mittwoch, 13. März 2013


Später wird im Parlament, es ist dies ein neuer, modischer Trend, gesungen. Ein Redner hält keine Rede, sondern trägt ein Lied vor, sich selber mit der Gitarre begleitend. Und gleich springen andere auf den fahrenden Zug auf, sogar der stellvertretende Direktor will mithalten. Er muss im Namen des Ratsbüros über einen kleinen Vorfall berichten. In einer Hotelküche soll eine Angestellte von einem Ratsmitglied geküsst worden sein, das Büro ist der Frage nachgegangen und unterbreitet jetzt einen Bericht, den der hohe Beamte in Liedform vorträgt. Wer hat geküsst, so heisst das Lied.

Sonntag, 3. März 2013

Im Stadtzentrum, am Hauptbahnhof, wo wir als Feuerwehrkommandant Dienst haben, bahnt sich eine Katastrophe an, ein Teil der Häuser steht schon in Brand, und wir sehen nun, wie parkierte Lastwagen mit ihren Anhängern in Bewegung geraten. Langsam rollen sie, beladen mit gefährlichen Gütern, gegen eine Glasfront, Container lösen sich, Fässer rollen in die Bahnhofanlagen, es wird demnächst weitere grosse Explosionen geben. Man kann nichts mehr tun, nur wegrennen, nur sich in Sicherheit bringen, auch als Feuerwehrkommandant muss man fliehen, wir machen uns also aus dem Staub und rennen sicherheitshalber gleich ziemlich weit, in eine Vorortsgemeinde, von wo aus wir der Gattin telefonieren wollen, die ja eben in diesem Zentrum noch arbeitet und jetzt auch schleunigst weggehen sollte, da alles verbrennen wird, auch unsere Büros, auch mein Büro, in welchem wir auch viele private Sachen aufbewahrt haben. Wahrscheinlich gehen jetzt auch Teile unseres Werkes verloren, einige Hefte mit Aufzeichnungen, aber das ist nicht weiter schlimm, denken wir, denn unser Werk ist gross, und wenn ein Zehntel verloren geht, ist das noch kein grosses Unglück. Wir wollen also telefonieren, kommen aber nicht dazu, denn es beginnt auch hier eine Feuerwehrübung, an der wir teilnehmen sollten, von Amtes wegen. Wir wollen aber nicht als Kommandant auftreten, das könnte man uns sehr verübeln, wenn man von der Katastrophe in der Stadt hört, sondern als einfacher Feuerwehrmann. Wir verstecken deshalb unseren Kommandostab, es ist dies ein langer schwarzer Holzstab, der im Geräteraum eines dieser Vororts-Einfamilienhäuser kaum Platz findet. Der Stab ist aber glücklicherweise zusammenlegbar, wir können ihn also unterbringen und nehmen nun an der Übung teil. Es ist eine schwierige Übung, es hat sich mitten im Dorf ein grosser Graben aufgetan, eine felsige Schlucht, gewiss zwanzig Meter tief. Man hat hier früher Abfälle deponiert, und jetzt tut sich alles auf, es stinkt furchtbar, man wird das gründlich sanieren müssen. Übungshalber steigen die Feuerwehrmänner auf den Grund der Schlucht, das ist sehr schwierig, die Wände sind steil und glitschig, aber zwei Kameraden haben das problemlos geschafft. Wir aber finden nicht den richtigen Weg, versteigen uns in der Wand, können nach einem letzten Schritt nicht mehr vorwärts, aber auch nicht mehr zurück. Es ist sehr gefährlich, wir müssen uns festhalten und mit grösster Vorsicht wieder einen Tritt suchen, was uns am Ende gelingt. Wir machen aber auch hier einen jämmerlichen Eindruck, wir erfüllen unsere Pflichten nicht, man kann uns nicht brauchen, wir sind total unfähig.

Freitag, 1. März 2013

Montag, 25. Februar 2013


Und ein noch dümmerer Traum. Wir treten in einer grossen fremden Stadt aus einem Gebäude, ich, die Gattin und die älteste der Töchter. Die Tochter entwischt uns sofort, rast davon wie ein Tier, das in freier Wildbahn ausgesetzt wird. Wir hätten besser aufpassen sollen! Es ist doch sehr gefährlich für sie, so abzuhauen. Die Gattin rennt ihr sofort nach, in einen Stadtteil, der tiefer liegt. Ich höre aus der Ferne ihre verzweifelten Rufe. Ich versuche ihr zu folgen und gehe langsam die Strasse hinab. Eine junge Frau kommt mir entgegen, verhüllt mit Mantel und Kopftuch. Sie steht still, ich auch. Bist du es, frage ich. Sie enthüllt den Kopf. Ja, es ist unsere Tochter. Sie schweigt. Ich schimpfe mit ihr, bin sehr böse, packe sie am Kragen und ziehe sie an den Ohren. Siehst du nicht, rufe ich, was du angerichtet hast, warum bist du weggerannt? Tiefer unten in den Strassen hören wir noch immer die Rufe der Gattin. Was ist eigentlich los? Ich höre, dass eine Alarmanlage piepsende Töne von sich gibt. Ich bin nun wach, so scheint es wenigstens, und gehe zum Fenster, will sehen, was los ist. Draussen ist aber alles total ruhig. Ich höre also nichts und lege mich wieder hin. Nun tauchen die Töne wieder auf, schön regelmässig, drei Töne aufwärts, zwei Töne abwärts. Spinne ich, habe ich einen Gehörschaden, einen Schlaganfall. Ich gehe wieder zum Fenster, und wieder höre ich dort keinen Ton. Ich lege mich wieder hin und kann nun die Quelle des Geräusches identifizieren, es ist der schön regelmässige etwas schwere Atem der Gattin.  

Sonntag, 24. Februar 2013

Wir sind in einer Schule, einer Art von Uni oder Volkshochschule. Der Betrieb ist locker, man kann kommen und gehen, wie man will, es gibt aber auch ernsthafte Prüfungen mit Noten, die grosses Gewicht haben. Der heutige Tag ist für uns besonders wichtig, weil wir einen kleinen Teil eines neuen literarischen Textes vortragen sollten, nur etwa zehn Zeilen, dafür aber auswendig. Das Werk ist aber umstritten, und es ergibt sich zu Beginn der Stunde eine Diskussion. Einzelne Schüler, es sind Erwachsene, bezweifeln den literarischen Wert des Textes und wollen sich nicht damit befassen. Wir allerdings sind beeindruckt von der Erzählung, sie ist grossartig und erinnert uns an Kafka und den Jäger Gracchus. Wir konnten den Text sehr gut auswendig, jetzt aber, nach diesen aufgeregten Diskussionen, die noch immer im Gang sind, haben wir ihn plötzlich total vergessen. Wir haben allerdings das Buch bei uns, schlagen es auf, was wir nicht tun dürften, wir tun es daher etwas versteckt und versuchen nicht aufzufallen. Obwohl die Erzählung nur kurz ist, können wir die Passage nicht mehr finden, weil wir den Text intensiv bearbeitet und viele Stellen angestrichen haben. Wenn wir nur die ersten paar Worte finden würden, wäre uns gewiss alles sofort wieder präsent. Die Aufgabe war ja leicht, und ein schönes Zitat könnte jetzt der Professorin, die eine unserer früheren Vorgesetzten ist, sehr helfen und sehr dazu beitragen, dass ihre Auswahl akzeptiert wird.

Samstag, 16. Februar 2013

Dienstag, 12. Februar 2013


Die letzten Stunden der Naziherrschaft. Wir sind mit Hitler und wenigen Kumpanen aus dem Führerbunker geflohen und liegen nun, geschützt von den schweren Bombenangriffen, in einem Graben unter einem Viadukt aus Beton. Aus der Ferne sehen wir dem Bombardement des Führerbunkers zu, dort wird niemand überleben. Hitler eilt mit seinem Gefolge weg, aber alle erscheinen wieder, in amerikanischen Uniformen, Hitler selber in der Uniform eines amerikanischen Generals, wir besteigen einen Jeep, ich werde, da ich als einziger noch eine deutsche Uniform trage, in die Mitte genommen. Wir fahren mitten durch die Feinde hindurch und werden sogar übermütig, grüssen und lachen und benehmen uns wie in einer Filmkomödie, wobei Hitler als grossartiger Schauspieler besonders komisch wirkt. Wir fahren aber zu schnell und sehr unvorsichtig, wir prallen gegen eine Mauer und fliegen in einem sehr hohen Bogen in ein grösseres Gewässer, man zieht uns heraus und nimmt uns fest.