Dienstag, 14. November 2017


Und wieder sind wir in Amerika, machen mit der Familie Ferien in einer Feriensiedlung an einem grossen See. Ich bin alleine und sehe von einem kleinen Vorsprung aus, wie sich weit draussen im See eine rabenschwarze fast senkrechte Wolkenwand bewegt. Einer der Angestellten ruft entsetzt, so etwas habe er noch nie gesehen. Die schwarze Wand bewegt sich weiter, und an ihrem Fuss blitzt es gewaltig. Es scheint dort Explosionen zu geben. Da die Lage für uns sehr gefährlich werden kann, mache ich mich auf die Suche nach den Töchtern. Ich steige daher wie fast wie ein Extrem-Bergsteiger die senkrechte Felswand hinauf, oberhalb derer sich das Restaurant befindet. Die ältere der beiden Töchter ist dort, sie erscheint oben an der Brüstung und ruft, dass sich ihre Schwester im Sanitätsraum befinde. Das ist immerhin schon mal beruhigend, denn so wissen wir wenigstens, wo sie ist. Aber warum ist sie denn im Sanitätsraum, rufe ich und klettere wieder hinunter, denn dieser Raum befindet sich in einem anderen Gebäude unterhalb des Restaurants. Sie sei dort, weil die Mutter sie geschlagen habe. Was? Wie? Die Mutter? Ich könne mir das nicht vorstellen, rufe ich. Doch, die Mutti habe sie geschlagen, sagt die Tochter. Also die alte Mutti! Jetzt kann ich die Sache besser verstehen, die Mutti, das ist die Grossmutter, die vielleicht für einmal die sonst immer grosse Geduld verloren hat. Sie habe ihr einen Tritt versetzt, höre ich noch, es gehe der Kleinen aber gut, sie sei nicht verletzt und müsse jetzt noch einige Stunden im Sanitätsraum bleiben. Die Mutti bedaure alles sehr. Das beruhigt mich alles einigermassen, und das gewaltige Unwetter, das auf uns zukommt, wird uns in den Häusern nichts anhaben können. 

Sonntag, 5. November 2017


Wir reisen mit dem Auto durch die USA. Für den heutigen Tag erwarten wir eine flache Landschaft, aber die Karte, die einen grossen Massstab aufweist, hat uns getäuscht. Wir geraten in eine gebirgige Gegend, und vor uns tut sich ein gewaltiges Panorama auf mit hohen,  zackigen Gebirgen, deren Gipfel schneebedeckt sind. Unser breiter Highway führt kilometerlang immer nur abwärts. Er weist auf beiden Seiten von Zeit zu Zeit kleine Parkplätze auf, die zum Bewundern der Aussicht einladen und zum Photografieren. Auch wir würden gerne anhalten, sehen aber zu unserem Schrecken, dass bei der hohen Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs sind, die Bremsen nicht funktionieren. Wir sausen daher weiter bergab, müssen aber sehr aufpassen, denn es kommen uns Velofahrer entgegen. Einige von ihnen benützen sogar, verführt von der Aussicht, unsere Fahrspur. Wir weichen ihnen geschickt nach rechts und links aus, was uns glücklicherweise ohne Unfälle gelingt. Weiter unten, in der Tiefe, ist der Talboden zu sehen, dort werden wir das Auto gewiss wieder in unsere Gewalt bekommen.

Mittwoch, 1. November 2017


Heute muss ich von 9 bis 12 Uhr meinen Matura-Aufsatz schreiben. Ich stehe vor dem Schulhaus und erwarte das Aufsatz-Thema von der schönen, unnahbaren und strengen Deutschlehrerin. Sie erscheint und nennt mir das Thema: Der Scharnwald. Ich erschrecke und kann rein gar nichts mit diesem Titel anfangen. Ich bitte daher um eine genauere Umschreibung. Die Lehrerin antwortet ungeduldig und etwas böse, dass das Thema dann eben heisse: Der Scharnwald und seine Bedeutung für die Katastrophen des Zweiten Weltkrieges. Ich versuche nun, diesem Thema einen Sinn abzugewinnen und gehe davon aus, dass es um das Werk von Ernst Jünger geht. In den Schulstunden war nie die Rede von ihm. Ist es nicht perfid, mir ein solches Thema aufzugeben? Von Jünger habe ich aber glücklicherweise viel gelesen, gewiss viel mehr, als die böse Lehrerin annimmt, aber auch wieder viel vergessen. Es ist nicht zu sehen, wie ich in drei Stunden etwas Befriedigendes hinkriegen kann. Zudem werde ich jetzt noch aufgehalten, denn in einem Raum des Schulhauses findet eine Hinrichtung statt. Eine grössere Zahl von Häftlingen steht da, einen Strick um Hals. Eine Vorrichtung zum Hängen aber sehe ich nicht. Das Urteil aber wird nun irgendwie vollstreckt. Ich will nicht zusehen und wende mich ab. Die Verurteilten sind guter Dinge und lachen noch eine oder zwei Minuten. Dann wird es still. Ich wende mich um und sehe, dass nun alle tot am Boden liegen. Jetzt ist es schon 9.45 Uhr, und in zwei Stunden sollte ich meinen Aufsatz fertig haben. Ich erwache und beginne, den Aufsatz zu konzipieren. Was könnte ich erwähnen, ganz besonders, um die strenge Lehrerin zu beeindrucken? Zitate von Jünger fallen mir nicht gleich ein, obwohl ich viele Exzerpte gemacht habe. Immerhin kommen mir Stichworte in den Sinn: Wäldchen! Es gibt bei Jünger irgendwo ein Wäldchen mit einer Nummer, 121 vielleicht oder 128. Waldgang, Waldgänger! Desinvolture, Frontkämpfer, Anpfiff, Saufrass, Handgranate. «Kommen wir noch ins Feuer, Herr Oberst?» «Sie kommen, sie kommen.» Damit könnte ich die Hexe, die mich hereinlegen will, überlisten und mit Härte und Männlichkeit beeindrucken. Ich könnte über die Ruhe schreiben, die den Waldgänger umgibt und beschützt, während in weiter Ferne ein unaufhörliches schreckliches Geschrei und Geheul zu hören ist. Ich schlafe nämlich wieder ein und höre, dass irgendwo allergrösster Jammer herrscht, Todesnot, Entsetzen, Zähneknirschen. Irgendwo ist eine ungeheure und ungeheuerliche Vernichtung im Gang. Oder könnte ich nicht auch höchst Gewagtes und Ungewöhnliches  zum Frontkämpfer sagen? Dass auch jeder Liebende ein Frontkämpfer ist, der bis an die Zähne bewaffnet aus seinem Schützengraben springt und zum Sturm einer feindlichen Stellung ansetzt?

Dienstag, 24. Oktober 2017


Wir sind in einer kleinen Metzgerei. Ein grosser Schwarzer, ein Nubier, sticht die zu schlachtenden Kühe mit einem langen Messer nieder und zerteilt das Fleisch ohne zu beachten, dass die Tiere nicht sofort tot sind. Am Boden liegt ein schon weitgehend zerlegtes Kalb, das sich aber noch bewegt. Wir machen den Nubier darauf aufmerksam. Er wird böse und weist uns weg.

Sonntag, 22. Oktober 2017


Ganz unbemerkt ist uns die Vorhaut, die wir durch eine Zirkumzision haben entfernen lassen müssen, nachgewachsen und wieder genauso verengt da wie vorher. Wir wissen nicht, was das zu bedeuten hat.

Donnerstag, 12. Oktober 2017


Wir hatten unsere allererste grosse Jugendliebe wieder getroffen und uns gut und lange mit dem Mädchen unterhalten. Später sahen wir ihren Bruder, der uns aufforderte, sie doch wieder zu besuchen. Sie sei sehr einsam, erklärte er uns besorgt und, wie uns schien, mit einer gewissen Hoffnung auf einen Erfolg dieser Besuche. Sechs Monate sind seither vergangen, und noch immer haben wir keinen Besuch gemacht.

Dienstag, 10. Oktober 2017


Wir mussten in aller Eile unser altes Haus verlassen, das grosse, baufällige Anwesen mit allen Tieren, die sich dort befinden. Wir glaubten, rasch wieder zurückkehren zu können, wurden aber an der Rückkehr gehindert. Jetzt erst, nach einem halben Jahr, kehren wir zurück, in grosser Sorge, denn unter den Tieren befanden sich ja auch ein grosser Löwe und eine Riesenschlange. Der Rückweg ist nicht einfach, wir werden immer wieder aufgehalten. Einmal fallen uns drei kleine Münzen zu Boden, wir finden sie sofort und sie wieder auf. Ein übereifriger Polizist hält uns aber auf und will uns suchen helfen und begreift nicht, dass wir schon alle Münzen gefunden haben. Dann steht uns ein grosser Koffer im Weg, der einem Offizier gehört, den wir dazu bewegen müssen, ihn wegzuziehen. In grosser Sorge erreichen wir schliesslich unser Haus. Was ist wohl mit dem Löwen geschehen? Ist er, was leicht möglich war, ausgebrochen, und hat man ihn erschossen? Wir treten ein und finden in einem ersten Raum zwei Getreue, die uns erklären, sie hätten die ganze Zeit das Haus gehütet. Sie sitzen da, in der grossen Stube. Oben, auf den Kästen, befinden sich grosse Pakete, verschnürte Säcke, in denen sich unsere Vögel befinden. Man habe sie eingepackt und so versorgt, sie würden schon monatelang schlafen. Und wo ist der Löwe? Und die Schlange? Im Nebenzimmer, sagen sie. Und wie werden sie gefüttert? Der Löwe erhalte immer Abfälle vom Metzger, und der Schlange gebe man von Zeit zu Zeit ein Tier. Und wo ist der grosse Uhu? Der Uhu sei auch im Zimmer. Wir sind einigermassen beruhigt, es scheint, dass alles gut gegangen ist.