Donnerstag, 14. September 2017


Wir haben, an unserer heutigen Adresse, in unserer kleinen Wohnung, einen Empfang. Erwartet wird unter anderem die prominente Gesellschaftsdame Shawne Fielding. Wir spähen durch das Fenster, wollen sehen, wenn sie kommt. Es kommen aber zunächst andere Gäste, bei denen nicht so recht zu sehen ist, wie sie zur Einladung gekommen sind. Unter anderem kommen Herren, die ich von einer Arbeitsgruppe her kenne, tüchtige, hyperaktive und auch lästige Erscheinungen, die mir Kopfzerbrechen bereiten. Ich kenne sie aus einer Arbeitsgruppe, die mehrere Sitzungen abgehalten hat, von welchen ich die Protokolle hätte schreiben sollen. Ich habe das bisher nicht gemacht, vor allem weil ich die Namen der Teilnehmer nicht notiert habe. Die Voten habe ich mir notiert und kann sie auch mit den Personen verbinden. Jetzt will ich auf diskrete Weise versuchen, die Namen dieser Herren zu erfahren und zu notieren. Zur Sicherheit will ich mir gleich auch ihr Aussehen notieren, so dass ich später die Sitzungen mit Sicherheit rekonstruieren kann. Aber wie das gelingen kann, während unseres Empfanges, ist mir nicht klar.

Samstag, 9. September 2017


Ich bin höherer Beamter, der drei Monate vor seiner Pensionierung noch aus unerfindlichen Gründen, vielleicht als Belohnung, nach Boston fliegen kann und dort, wie ich glaube, als Gast einige ruhige Wochen in einer amerikanischen Unternehmensberatungsfirma verbringen kann. Es herrscht dort hektischer Betrieb, junge dynamische Leute rennen herum, alles echt amerikanisch. Ich werde kaum beachtet und hoffe auch, dass ich nicht weiter beachtet werde. Das erweist sich aber als grosser Fehler. Die Amerikaner gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass ich sofort, ohne weiter zu fragen, wichtige Arbeiten aufnehme. Nach einem Tag verlangt man von mir einen grossen Bericht für einen Kunden, für den mir, ohne dass ich es weiter bemerkt habe, gleich beim Eintritt einige wenige Notizen von einem der Chefs hingelegt worden sind. Jetzt sind diese Notizen, von denen man geglaubt hat, dass ich sie zu einem Bericht ausarbeiten würde, dem Kunden als Schlussbericht übergeben worden. Dieser ist natürlich entsetzt und in keiner Weise befriedigt. Man kommt verärgert auf mich zu und macht mir Vorwürfe. So geht es ganz und gar nicht, so kann man hier nicht arbeiten! Ich versuche mich zu rechtfertigen und sage, dass ich ja gar nicht als Mitarbeiter eingestellt worden sei, sondern nur als Gast hier sei. Auch von einem Gast verlange man die gleichen Leistungen wie von den hochqualifizierten Experten des Unternehmens, sagt man. Ich verweise darauf, dass ich keinerlei Erfahrung in diesem Bereich hätte und zudem bald fünfundsechzig Jahre alt sei, also rund dreissig Jahre älter als die anderen Mitarbeiter. Man schüttelt nur den Kopf und kann nicht verstehen, warum ich dann hier bin.

Sonntag, 3. September 2017


Wir haben an einem Marathonlauf teilgenommen und dort eine für uns ausserordentlich gute Zeit erreicht, zwei Stunden und fünfzig Minuten, das ist für unser Alter sehr erstaunlich, es ist sogar die Bestzeit, allerdings leider nur vorübergehend, denn es starten noch Tausende von weiteren Teilnehmern, darunter auch viele Spitzenläufer.

Freitag, 1. September 2017


Wir sind Terrorist und verüben mit einer kleinen Gruppe von Verschworenen einen Anschlag mit einer grossen Bombe, einer schwarzen Kugel mit einem Durchmesser von etwa einem Meter, die in den Händen getragen werden und in der Art eines Ballons fliegen kann. Wir tragen sie zunächst mit uns herum und entschliessen uns dann, sie über Dächer und Häuser hinweg in eine Altstadtgasse zu werfen. Das gelingt uns. Die Kugel fliegt wie aus eigener Kraft in diese Gasse und explodiert dort. Es entsteht ein gewaltiges Feuer, es ist ein richtiger grosser Terroranschlag. Zu welchem Zweck er eigentlich erfolgt ist, das wissen wir selber nicht so recht, es scheint sich um eine Forderung der unerbittlichen Natur zu handeln, die zu erfüllen wir nun einmal berufen worden sind. Wir gehen weg, niemand bemerkt uns, denn wir haben den Anschlag sehr klug geplant. Niemand wird uns je entdecken! Am Ende geschieht das aber doch. Wir fallen irgendwie auf, in Spanien, man verfolgt uns, auf einer Wendeltreppe, entdeckt uns und führt uns in einen grossen Saal, wo eine Versammlung im Gange ist. Wir geben uns gelassen, tun so, als ob wir von nichts wüssten. Man hat gewiss keinerlei Beweise und wird uns wieder ziehen lassen müssen, so denken wir wenigstens. Wir bestellen einen kleinen Imbiss. Man schliesst uns nun an einen sehr modernen, leistungsfähigen Lügendetektor an, der bei den Fragen, die man uns stellt, ganz überdurchschnittliche Erregungen anzeigt. Wir sagen, das beweise nichts, das sei einfach unsere Aufregung, jeder, den man auf diese Weise befrage, würde doch aufgeregt sein. Man sagt uns aber, dass man eben gerade viele Unschuldige befragt hätte und zeigt uns deren Resultate, die alle weit unter den Werten liegen, die bei uns aufgezeichnet worden sind. Eine Richterin tritt hinzu, ein Polizeibeamter mit Handschellen. Wir dürfen noch die Konsumation bezahlen, dann werden wir verhaftet, bleiben aber weiterhin sehr gelassen, lächeln gutmütig, wehren uns nicht einmal sehr, was verdächtig wirkt und offenbar bereits als Eingeständnis der Schuld interpretiert wird. Man erwartet jeden Moment, dass wir dieses Geständnis machen werden. Wir sind aber sicher, dass man uns keine Schuld nachweisen kann und uns schnell wieder auf freien Fuss setzen muss, wir werden also nichts gestehen, es sei denn, wenn man uns foltern würde. Wir sind ja in Spanien, dem Land der Hexenverbrennungen und Folterungen. Also wenn man uns foltern würde, da sind wir sicher, würden wir sofort alles gestehen.

Mittwoch, 30. August 2017

Uns träumte kürzlich, wir würden in eine andere Welt überführt. Man kündigte es uns an, von irgendwoher, aus der Höhe, aus einem Steuerungszentrum, kam die Mitteilung, direkt in unser Hirn. Kurz darauf begann alles um uns herum zu flimmern und zu schwirren. Die Welt zersetzte sich in einen feinen weissen Nebel, der leise brauste und zischte. Der Nebel wurde dichter und dichter und umfing uns schliesslich ganz. Es gefiel uns nicht so recht, was da entschieden worden war. Wir wollten noch etwas sagen, konnten es aber nicht mehr, denn es ging alles sehr schnell. Angst hatten wir nicht. Es war uns klar, dass es sich um eine routinemässig durchgeführte Operation handelte, die wir schon einige Male erlebt hatten. 

Samstag, 26. August 2017

Apollodorus träumte, dass die Skythen ihm die Haut abzögen und ihn hernach in einem Kessel kochten, und dass sein Herz dabei murmelte und sprach: Ich bin die Ursache all dieses Ungemachs.

Montag, 21. August 2017

Jesus ist gestorben, und wir haben vorübergehend seine Leiche zu hüten. Es ist nur noch das Skelett vorhanden, weisse, lose miteinander verbundene Knochen. Sie sollen demnächst ganz verschwinden, das heisst verbrannt und vergraben werden. Wir empfinden Ehrfurcht und Schauder, wir wissen, dass es die Knochen Gottes sind, und wir wissen auch, dass diese Knochen unendlichen Wert haben, allerdings nicht für uns und unsere Zeit, die nichts damit anzugangen weiss, sondern für spätere Zeiten, in denen sich das Christentum entwickelt hat. Über jedem von diesen Knochen und Knochensplittern, denken wir, könnten die mächtigsten Basiliken und Klöster gebaut werden, könnten Wallfahrtsorte und Gnadenorte entstehen. Wir wollen daher für unsere Nachfahren doch etwas beiseite schaffen, ein kleines Kapitälchen, und nehmen den Gotteskopf weg, einen ungewöhnlichen, viel zu grossen Kopf, es ist ein flacher Schädel, der an eine Mitra oder einen seltsamen Fisch erinnert. Aber was tun mit diesem ungeheuren Schatz? Wir bringen ihn weg, in einen anderen Raum, verstecken ihn in einem Kasten, wo er aber nicht sicher genug aufbewahrt ist. Wir packen ihn am Ende in eine Reisetasche und wollen ihn so wegschmuggeln. Das Unternehmen ist nicht besonders riskant, man sieht in der Leiche noch nichts Besonderes, es gibt noch keine Kirche, und man wird es wohl gar nicht merken, dass der Kopf fehlt.